Hepatitis C
HCV-Infektion

Erreger:
Hepatitis-C-Virus (HCV) mit sechs Genotypen und zahlreichen Subtypen

Epidemiologie:
Etwa 2-3% der Weltbevölkerung (ca. 170 Millionen Menschen) haben Kontakt mit dem Hepatitis-C-Virus gehabt, ca. 130 Millionen sind chronisch infiziert, in Europa etwa 3-5 Millionen. Für Deutschland rechnet man mit ca. 400.00 - 500.000 chronisch Infizierten, pro Jahr infizieren sich mehrere tausend Menschen. Besonders hoch ist die Prävalenz bei intravenös Drogen Gebrauchenden: Bis zu 90% der langjährigen Konsument/innen sind infiziert, wobei es meist schon in den ersten Jahren des Konsums zur Ansteckung kommt.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Ca. 10% aller HIV-Positiven in Deutschland sind auch mit Hepatitis C infiziert, also ca. 7.000 - 7.500 Personen.

Meldepflicht:
Für Hepatitis C besteht bereits bei Verdacht auf eine Infektion die Pflicht zur namentlichen Meldung an das Gesundheitsamt.

Übertragung:
HCV wird vor allem durch Blut-Blut-Kontakte übertragen, und zwar wesentlich leichter als HIV; vollständig geklärt sind die Übertragungswege allerdings nicht. In Europa sind die meisten Infektionen auf den Drogenkonsum zurückzuführen, vor allem auf den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen, Nadeln und Zubehör bzw. von Röhrchen (zum Sniefen). Auch beim Tätowieren und Piercen sowie bei gemeinsamer Benutzung oder Verwechslung von Rasierern (und wahrscheinlich auch von Nagelscheren und Zahnbürsten) kann es zu Infektionen kommen. Ein Risiko besteht ebenfalls bei Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen unter mangelhaften hygienischen Bedingungen in Hepatitis-C-Hochprävalenzländern.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Das Risiko einer Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft oder unter der Geburt liegt in Deutschland bei unter 5%, steigt aber bei zusätzlicher HIV-Infektion auf bis zu 20% (abhängig vom Immunstatus der Mutter).

Beim Sex ist eine Ansteckung möglich, aber auch bei ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr sehr selten. Grundsätzlich ist das Risiko erhöht, wenn Blut im Spiel ist, etwa bei verletzungsträchtigen Sexpraktiken oder bei blutigen Entzündungen im Enddarm. Darmsekret mit HCV-haltigem Blut kann auch vom Enddarm eines Partners auf den nächsten aufnehmenden Partner übertragen werden: mit dem Penis oder einem Dildo (auch bei Benutzung eines Kondoms) oder mit der Hand (auch bei Benutzung eines Handschuhs). Möglich ist eine Übertragung darüber hinaus über HCV-haltige Blutspuren in gemeinsam benutzten Gleitmitteltöpfen.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Die überwiegende Mehrzahl der in den letzten Jahren dokumentierten Fälle von wahrscheinlich sexuell übertragener Hepatitis C betrifft Menschen mit HIV - vor allem Männer, die Sex mit Männern haben.

Eine Ansteckungsgefahr besteht, solange HCV im Blut vorhanden ist; die Infektiosität kann bereits mehrere Wochen vor dem etwaigen Auftreten von Symptomen beginnen. Da ein großer Teil der Infektionen chronisch verläuft, sind viele infizierte Personen über Jahre ansteckend. Das Übertragungsrisiko ist aber von der Viruskonzentration im Blut abhängig, die oft über lange Zeiträume sehr niedrig ist.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: HIV-Infizierte mit einer Hepatitis C haben bei fortgeschrittener Immunschwäche eine größere HCV-Viruslast im Blut, weshalb von erhöhter Ansteckungsgefahr auszugehen ist.

Prävention:
Eine Vorbeugung gegen Hepatitis C ist derzeit weder durch eine Schutzimpfung noch durch die Gabe von Immunglobulinen (Antikörper von Menschen, die bereits eine Hepatitis durchgemacht haben) möglich. Ein sicher schützender Impfstoff ist auch in den nächsten Jahren eher nicht zu erwarten. Auch eine HCV-Post-Expositions-Prophylaxe (wie bei Hepatitis A, Hepatitis B oder HIV) gibt es nicht.
Beim Drogengebrauch schützt die alleinige Verwendung des eigenen, sterilen Röhrchens (zum Sniefen/Inhalieren), der eigenen Pfeife sowie des eigenen Spritzbestecks und Zubehörs vor Hepatitis C.
Das Risiko einer sexuellen Übertragung wird durch Kondomgebrauch beim Anal- und Vaginalverkehr und durch Verwendung von Handschuhen beim Fisten weiter verringert (für jeden neuen Partner ein neues Kondom bzw. neue Handschuhe). Sexspielzeug und andere Instrumente, die mit Blut in Kontakt kommen können, gründlich desinfizieren, Dildos für jeden neuen Partner mit einem neuen Kondom versehen, Gleitmitteltöpfe nicht gemeinsam benutzen/für jeden Partner dessen eigenes Gleitmittel verwenden.

Inkubationszeit:
2 Wochen bis 6 Monate, in der Regel 6 - 9 Wochen

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Die akute Phase verläuft in mehr als drei Viertel der Fälle ohne ausgeprägte Beschwerden und wird daher meist nicht erkannt. Nur in 10 - 20 % der Fälle treten grippeähnliche Symptome ähnlich wie bei der Hepatitis B auf, in etwa 10 % ein Ikterus (Gelbfärbung der Augen und der Haut).
Ca. drei Viertel der HCV-Infektionen nehmen einen chronischen Verlauf (d. h., die Virusvermehrung hält länger als sechs Monate nach der Ansteckung an), die anderen heilen innerhalb von sechs Monaten aus. Auch eine chronische Hepatitis C kann später spontan ausheilen. Eine ausgeheilte Hepatitis C verleiht aber keinen Schutz vor erneuter Ansteckung!
Die meisten chronischen Infektionen verlaufen über Jahre bis Jahrzehnte symptomlos oder symptomarm (mit Müdigkeit, Oberbauchbeschwerden, Abgeschlagenheit sowie wiederkehrenden, vorübergehenden Erhöhungen der Leberwerte).
Bei etwa einem Drittel der chronischen HCV-Infektionen kommt es zu einem aggressiven Verlauf mit bindegewebigem Umbau der Leber (Fibrose) und bei etwa 20% der Infizierten nach Jahren oder Jahrzehnten zu einer Leberzirrhose mit zunehmendem Verlust der Leberfunktion. Patienten mit einer durch HCV verursachten Zirrhose haben ein höheres Leberkrebsrisiko.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids:Bei HIV-Positiven verläuft die chronische Hepatitis C in der Regel rascher, und es kommt häufiger zu einem Leberversagen.

Diagnose:
Eine HCV-Infektion wird in der Regel durch die Kombination des Nachweises von Antikörpern gegen das Virus (Anti-HCV) sowie von HCV-Virus bestandteilen im Blut festgestellt. Die Antikörper sind meist etwa einen bis drei Monate (in Einzelfällen allerdings auch erst sechs bis zwölf Monate) nach der Infektion und dann über Jahre und Jahrzehnte nachweisbar. Die HCV-Virusbestandteile können dagegen oft schon nach zwei Wochen nachgewiesen werden - etwa bei Verdacht auf eine akute Hepatitis-C-Infektion, um ggf. mit einer Behandlung beginnen zu können (siehe unten).

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids:Bei einem Immundefekt, z. B. infolge der HIV-Infektion, kann es zu einem Verlust von Anti-HCV kommen, weshalb in diesem Fall auch bei negativem Antikörpertest eine HCV-RNA-Bestimmung sinnvoll sein kann.

Therapie:
Bei einer akuten HCV-Infektion (d. h., die Infektion liegt nicht länger als drei bis vier Monate zurück) kann man durch eine halbjährige Interferon-Monotherapie in den meisten Fällen eine Chronifizierung verhindern. Da aber 50-80% der Infektionen von selbst ausheilen, beginnt man meist nicht sofort mit der Therapie, sondern wartet vier Wochen ab und kontrolliert den Verlauf der Viruslast.
Für die Therapie der chronischen Hepatitis C werden pegylierte Interferone in Kombination mit Ribavirin eingesetzt. Bei den HCV-Genotypen 2 oder 3 wird in der Regel 3-6 Monate behandelt, bei den Genotypen 1 (in Europa am häufigsten) und 4 über 6-18 Monate. Bei Genotyp 1 können zusätzlich Protease-Inhibitoren eingesetzt werden, sie verkürzen die Therapiedauer auf 4-12 Monate. Im Durchschnitt liegen die Erfolgsraten der Therapie je nach Genotyp und anderen Faktoren wie Infektionsdauer, Ausmaß der Fibrose oder Viruslast zwischen etwa 40 und 90 %. Eine erfolgreiche Behandlung verleiht keine Immunität, d. h., man kann sich erneut anstecken.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei Menschen mit HIV können die Ansprechraten der HCV-Therapie geringer sein.

sonstige Maßnahmen:
Wie bei anderen Leberentzündungen auch sind bei Hepatitis C eine gesunde Ernährung und das Meiden von leberschädigenden Substanzen (z. B. Alkohol und verzichtbare Medikamente) wichtig.
Personen, die in einem Haushalt mit HCV-Träger(inne)n leben, sie pflegen oder betreuen, sowie ihre Partner/innen sollten die gemeinsame Benutzung von Rasierern, Nagelscheren oder Zahnbürsten meiden.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2013" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 
© Centrum für sexuelle Gesundheit e.V. Rostock 2013