Amöbiasis
Amöbenruhr, Amöben-Infektion, Amöbendysenterie, Amöbenkolitis
Das Wichtigste in Kürze:
Die Amöbiasis ist eine Durchfallerkrankung, die vor allem in Gegenden mit schlechten Hygieneverhältnissen vorkommt.
Die Übertragung erfolgt insbesondere fäkal-oral, z. B. über verschmutzte Lebensmittel, verschmutztes Trinkwasser oder beim Sex (bei Kontakt mit dem Anus).
Da die Krankheit ernste Folgen haben kann, muss jede Amöben-Infektion bis zum nachgewiesenen Verschwinden des Erregers mit antiparasitären Mitteln behandelt werden.
Erreger:
Entamoeba histolytica ist ein Einzeller, der sich durch Scheinfüßchen selbst
fortbewegen kann. In der sog. Minuta-Form lebt er im Dickdarm und verursacht
nur selten Symptome. Diese Form bildet umweltresistente Zysten aus, die
unbemerkt mit dem Stuhl ausgeschieden werden können und über Monate infektiös
bleiben. In der Magna-Form frisst die Amöbe rote Blutkörperchen und
greift die Dickdarmschleimhaut an; wenn sie die Darm schleimhaut durchdringt,
kann sie über den Blutstrom auch andere Organe befallen.
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Histologische Aufnahme
einer Amöbeninfektion
im Darmgewebe.
Foto: Wikipedia |
Epidemiologie:
In Deutschland ist die Amöbenruhr selten, sie kann aber z. B. von Tropenreisen "mitgebracht" werden und sich dann weiterverbreiten. Gelegentlich
kommt es zu sexuell übertragenen Infektionen, vor allem bei MSM und
Immungeschwächten.
Meldepflicht:
Eine Amöben-Infektion ist namentlich meldepflichtig bei Beschäftigten in der
Lebensmittelverarbeitung oder Gastronomie oder wenn zwei oder mehr Fälle
auftreten, die auf einen epidemischen Zusammenhang schließen lassen.
Übertragung:
Die Übertragung erfolgt in den meisten Fällen durch Wasser oder Lebensmittel,
die mit menschlichen Fäkalien verunreinigt sind (auch im Haushalt, wenn
ein Haushaltsangehöriger infiziert ist). Seltener werden Amöben beim Sex übertragen, z. B. durch oral-anale Kontakte oder durch Schmierinfektion, etwa
durch Eindringen des Fingers in den Anus mit anschließendem Mundkontakt, über gemeinsam benutztes Sexspielzeug (Dildos und Ähnliches) direkt von
Enddarm zu Enddarm oder über gemeinsam benutzte Gleitmitteltöpfe.
Prävention:
Hygiene reduziert das Risiko für eine Amöbeninfektion, wichtig
sind auch Untersuchung und Behandlung.
Inkubationszeit:
zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten, meist 1-4 Wochen
Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
80-90 % der Infektionen verlaufen ohne Symptome (allerdings werden
Erreger ausgeschieden!), nur in 10-20 % der Fälle treten typische Krankheitszeichen
einer Amöbenruhr auf: krampfartige Bauchschmerzen, Fieber, blutig-schleimige Durchfälle mit Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Blässe. In
seltenen Fällen entwickelt sich eine chronische Erkrankung mit wiederholtem
Durchfall, Gewichtsverlust und Blutarmut.
Andere Organe werden nur selten befallen; am häufigsten ist eine eitrige
Einschmelzung (Abszess) in der Leber, begleitet von Druckgefühl oder Schmerzen
im rechten Oberbauch und leicht erhöhter Temperatur. Zwischen Durchfallerkrankung
und Leberbefall können allerdings Jahre vergehen.
Diagnose:
Am sichersten ist die Diagnose durch Nachweis der Amöben-Erbsubstanz,
meist mit der PCR-Technik. Darüber hinaus lässt sich der Erreger auch unter
dem Mikroskop nachweisen, allerdings ist nur die Magna-Form ein Hinweis
auf eine Amöbenruhr, da die Minuta-Form nicht von harmlosen Verwandten
des Erregers zu unterscheiden ist. Zum mikroskopischen Nachweis sollte
die Probe aus den Blut- und Schleimbeimengungen des (möglichst frischen)
Stuhls entnommen werden. Bei schweren Verläufen kann man mit einer Enddarmspiegelung das Ausmaß der Schleimhautgeschwüre beurteilen, mit Ultraschall
die Bauchorgane untersuchen sowie Kopf, Brust und Bauch röntgen oder tomographieren lassen.
Verwechslungen mit anderen infektiösen oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
sind möglich.
Therapie:
Bei ausgebrochener Krankheit erfolgt zunächst eine antiparasitäre Therapie
zur Abtötung der Amöben (oral, meist über zehn Tage) und anschließend die
Abtötung verbliebener Zysten mit einem weiteren Medikament. Auch bei
asymptomatischen Patienten muss eine Abtötung der Zysten erfolgen. Die
Aus heilung hinterlässt keine Immunität, man kann sich also mehrmals anstecken.
sonstige Maßnahmen:
Um eine weitere Verbreitung der Erreger zu vermeiden, sollte auf körperliche
Hygiene wie z. B. Händewaschen nach dem Toilettengang geachtet werden.
Ratsam ist auch, bis zum Abschluss der antiparasitäten Therapie auf Sex, zumindest
aber auf oral-anale oder sonstige Kontakte mit dem Anus Erkrankter
zu verzichten. Dildos sollten gewaschen und desinfiziert, kontaminierte Gleitmitteltöpfe
entsorgt werden. Um einen "Pingpong-Effekt" zu vermeiden, sollten
sich auch die Sexpartner/innen und andere Kontaktpersonen untersuchen
und ggf. behandeln lassen.
Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2013" der Deutschen AIDS-Hilfe.