Madenwurmbefall
Enterobiasis, Oxyuriasis
Das Wichtigste in Kürze:
Madenwürmer sind weltweit verbreitete Parasiten, die im Dickdarm des
Menschen leben.
Nachts legen die weiblichen Würmer Eier in der Analfalte ab, was zu
Afterjucken und Analekzemen führt.
Die Eier können auch sexuell übertragen werden. Die Therapie des
Madenwurmbefalls ist einfach, schwer hingegen ist es, Reinfektionen zu verhindern.
Erreger:
Madenwürmer (Enterobius oder Oxyuris vermicularis) sind fadenförmige,
weiße und bis zu einem Millimeter dicke Parasiten, die im Dickdarm des
Menschen leben. Die weiblichen Würmer werden bis zu 13 mm lang, die männlichen
bis zu 5 mm.
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Kopf eines Madenwurms (Enterobius vermicularis), künstlich gefärbt
Foto: Wikipedia |
Epidemiologie:
Etwa die Hälfte aller Menschen hat mindestens einmal im Leben Madenwürmer.
Besonders betroffen sind Kinder, die ihre Umgebung oft mit dem
Mund erkunden; weltweit ist etwa ein Drittel aller Kinder mit Madenwürmern
infiziert.
Meldepflicht:
nein
Übertragung:
Die weiblichen Madenwürmer kriechen nachts aus dem Anus und legen
vor allem in der Analfalte, bei Frauen auch an der Vagina ihre Eier ab (bis zu
17.000). Diese können eine Hautreizung mit Juckreiz verursachen und gelangen
dann beim Kratzen (vor allem nachts, meist unbewusst) unter die
Fingernägel und von dort über den Mund in den Darm, wo sich in kurzer Zeit
neue Madenwürmer entwickeln (Reinfektion). Die Eier können bis zu drei
Wochen z. B. in Bettwäsche, Kleidung oder Handtüchern infektionsfähig bleiben
und durch "Aufwirbeln" (Staubinfektion), aber z. B. auch über verunreinigte
Lebensmittel auf Partner, Mitbewohner und Familienangehörige übertragen
werden. Bei oral-analen bzw. oral-genitalen Praktiken (Rimming, Lecken oder über den Weg Anus oder Analfalte-Finger-Mund) wird eine größere Zahl
von Eiern aufgenommen, entsprechend kommt es zu einem stärkeren Befall
mit Madenwürmern. Da häufig keine Symptome auftreten oder bemerkt werden,
kann man jahrelang infiziert sein und die Infektion weitertragen.
Prävention:
Allgemeine Haushalts- und Nahrungsmittelhygiene bietet den besten Schutz.
Inkubationszeit:
Wenn Eier in den Dünndarm gelangen, schlüpfen daraus schon in wenigen
Stunden Larven, die in den Dickdarm wandern und sich in 1 - 4 Wochen zu geschlechtsreifen
Würmern entwickeln.
Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Häufig verläuft die Infektion, ohne dass man Symptome bemerkt. Es kann
aber zu ausgeprägten Entzündungen und lästigem Juckreiz kommen, der
Schlafstörungen und in der Folge Unruhe und Nervosität nach sich ziehen
kann. Aufgekratzte Stellen können zudem von Bakterien befallen werden. Bei
Mädchen und Frauen führen die abgelegten Eier in seltenen Fällen zu einer
Entzündung der Scheide und der Schamlippen (Vulvovaginitis). Bei starkem
Befall ist eine Entzündung des Dickdarms mit blutig-eitriger Sekretion möglich.
Diagnose:
Mit einem Klebestreifen können morgens in der Analfalte Eier "aufgesammelt"
werden, der Nachweis geschieht dann unter dem Mikroskop. Manchmal finden
sich auch abgestorbene Würmer in der Analfalte oder der Unterwäsche.
Therapie:
Zur Behandlung stehen verschiedene Wurmmittel (Anthelminthika) zur
Verfügung; die Abtötung der Würmer gelingt je nach Schwere des Befalls innerhalb
von 1 - 3 Tagen. Da die Wurmmittel aber den Eiern und Larven nichts
anzuhaben vermögen, können sich daraus wieder neue Würmer entwickeln.
Es empfiehlt sich daher, die Therapie nach etwa drei Wochen zu wiederholen.
sonstige Maßnahmen:
Bei Feststellung eines Madenwurmbefalls sollten für sechs Wochen verschärfte Hygieneregeln gelten:
- Analbereich häufiger waschen/abduschen.
- Hände öfter waschen, immer vor dem Essen und nach dem Toilettengang.
- Kontakt mit dem Analbereich (auch des Partners) vermeiden,
auch beim Sex.
- Unterwäsche täglich morgens und abends, Bettwäsche täglich wechseln
und heiß waschen.
- Getragene Wäsche nicht herumliegen lassen, sondern (um ein "Aufwirbeln" der Eier zu verhindern) in einen Plastiksack stecken und möglichst bald bei mindestens 60°C waschen. Empfindliche Kleidung in
einen Plastiksack stecken und mindestens eine Stunde bei -20°C in den
Gefrierschrank legen, dann normal waschen.
- Nachts zum Schlafen eine Unterhose anziehen, damit weniger Eier in die
Bettwäsche gelangen und man sich nicht so leicht kratzt.
- Staubinfektionen vermeiden: Matratzen nicht ausschütteln, sondern nur
mit Flächendesinfektionsmittel einsprühen und abwischen.
Partner und Familienangehörige sollten sich mitbehandeln lassen, auch wenn
bei ihnen keine Symptome auftreten.
Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2013" der Deutschen AIDS-Hilfe.